Judo nimmt seit jeher im Leben von Frank Doetsch eine große Rolle ein. Nun ist er als Sekretär der Kampfrichterkommission bei der Internationalen Judo Föderation (IJF) im Amt.

Olympische Spiele, Weltmeisterschaften, Europameisterschaften: Frank Doetsch war schon bei zahlreichen großen Turnieren als Judo-Kampfrichter oder in anderer Funktion im Einsatz. Nun übernimmt der 47-jährige Familienvater, der beim SC Budokan Maintal als Pädagogischer Leiter arbeitet, eine neue Rolle bei der Internationalen Judo Föderation (IJF), ist als Sekretär der Kampfrichterkommission für den reibungslosen Ablauf aller weltweiten Kampfrichteraktivitäten zuständig.

Doetsch blickt bereits auf eine lange Laufbahn als Kampfrichter und Trainer zurück: „Die Weltmeisterschaft 2018 in Baku oder die Olympischen Spielen 2024 in Paris waren mit Sicherheit die bisherigen Highlights meiner Sportfunktionärskarriere“, erzählt er stolz.

Aktive Karriere frühzeitig beendet

Seine eigene sportliche Karriere startete Frank Doetsch vor 41 Jahren bei seinem Heimatverein, dem Turnerbund Andernach. „Zu internationalem Erfolg hatte es nie gereicht, aber auf nationaler Ebene und vor allem im Training war ich super“, scherzt er. Aufgrund seines Jurastudiums und seines Jobs bei der Bundeswehr musste er seine aktive Judo-Karriere allerdings früh beenden. Bereits mit 18 Jahren wurde er Kampfrichter im Landesverband Rheinland, dessen Vorsitz er von 2009 bis 2015 innehatte, und im Alter von 19 Jahren schloss er seine Trainerausbildung ab. 2014 erlangte Doetsch die internationale Kampfrichterlizenz und wurde noch im selben Jahr zum Kampfrichter in der IJF-World Series berufen. Parallel dazu heuerte er hauptamtlich beim Deutschen Judo-Bund in Frankfurt an, wo er drei Jahre später als Leistungssport-Referenten arbeitete.

Sechs Jahre lang Vorstandsvorsitzender des Deutschen Judo-Bundes

Nach der Geburt seines Sohnes übernahm er dort vermehrt administrative Aufgaben, war von 2019 bis 2025 Vorsitzender des Vorstands des Deutschen Judo-Bundes. Während dieser Zeit absolvierte Doetsch außerdem einen MBA-Studiengang in Sportmanagement an der Uni in Bayreuth. Nach seinem Engagement beim Deutschen Judo-Bund bekam er das Angebot der IJF, als Sekretär und Assistent der Kampfrichterkommission anzufangen. Da er seit den Olympischen Spielen 2024 ohnehin wieder im internationalen Geschäft als Kampfrichter-Supervisor, eine Art Video-Referee, tätig war, stimmte Doetsch gerne zu.

„Es hat mir einfach gefehlt, die alten Freunde auf internationaler Ebene, die man teils seit über 20 Jahren kennt, hin und wieder zu sehen. Außerdem ist mein Sohn jetzt schon in einem Alter, in dem er selbst mit dem Judo-Sport begonnen hat und somit sich auch für die Wettkämpfe interessiert. Alsbald möchte ich ihn mal zu einem Event mitnehmen“, erzählt er und fügt hinzu: „Meine Frau war Kampfrichterin in Brandenburg und meine Schwester ist ebenfalls internationale Kampfrichterin, das familiäre Verständnis ist also vorhanden.“

In Deutschland fehlt die Wertschätzung

In seinem neuen Amt hat er sowohl die Aufgabe, Kampfrichter für Wettkämpfe auszuwählen, die Reisen zu planen, als auch die Schulungen und Prüfungen für Kampfrichter zu organisieren. Darüber hinaus strebt der erfahrene Trainer und Kampfrichter einige Veränderungen an, die die Abläufe für den IJF vereinfachen sollen. „Die Digitalisierung muss dringend voranschreiten. Wenn ich heute zum Beispiel abfragen möchte, welche Kampfrichter bei einem kommenden Turnier eingesetzt werden können, muss ich noch jeden einzelnen per WhatsApp fragen. Außerdem könnten wir angehende Wettkampfrichter mittels Online-Tools deutlich besser das Grundwissen vermitteln, damit wir bei den Fortbildungen effizienter arbeiten und Zeit sparen können“, erklärt er.

Doetsch, der in Bad Vilbel in der Wetterau lebt, möchte sich für die Unterstützung und Förderung im Sport einsetzen: „Egal in welcher Sportart, Leistungen werden nicht ausreichend wertgeschätzt. Sowohl finanziell als auch was Aufmerksamkeit und Anerkennung angeht, ist Deutschland da einfach weit hinter anderen Ländern zurück. Da werden Funktionäre, Sportler und Sporttreibende allgemein anders wahrgenommen“, berichtet er und fügt hinzu: „Wir als Land wollen immer die großen Medaillen, machen aber nicht genug dafür – Stichwort Trainingsstätten und Nachwuchsförderung. Außerdem sollten Vereine verstärkt mit den Schulen zusammenarbeiten, sodass Kinder und Jugendliche nicht, nachdem sie um 17 Uhr endlich von der Schule nach Hause kommen, dann noch Sport machen sollen. Sie sollten für Wettkampf- und Trainingsmaßnahmen auch mal einfacher frei bekommen“, sagt Frank Doetsch.

Pädagogischer Leiter beim SC Budokan Maintal

Beim SC Budokan Maintal, bei dem Doetsch seit September 2025 als Pädagogischer Leiter der Kinderbetreuung arbeitet, sieht er viele dieser Probleme im Alltag mit den Kindern. Die neue Tätigkeit und sein Engagement bei der IJF ergänzen sich perfekt. „Das ist ein normaler Job mit normalen Arbeitszeiten – ein großer Pluspunkt für mich und meine Familie“, erzählt er. Außerdem ist es Doetsch wichtig, dass die Kinder gut betreut sind, aber auch lernen, dass sie Leistung bringen müssen, damit sie Erfolge im Training oder bei Turnieren feiern können. Im Regenbogenhaus steht der Sport allerdings nicht ausschließlich im Vordergrund, denn die Kinder können neben den verschiedenen Sportarten auch nützliche Dinge fürs Leben lernen, beispielsweise Kochen oder Erste Hilfe zu leisten.

Von Sascha Spahn (Offenbach Post)

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