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Budokan Maintal bekommt Besuch von estnischer Delegation

„Integration klappt nur, wenn man alle Nationen zusammenbringt“

Von Jan Max Gepperth

Maintal

Die gut 20 Kinder einer der Trainingsgruppen des Budokan Maintal staunten nicht schlecht, als am vergangenen Dienstag (20.11.2018) einige fremde Frauen und Männer in ihrem Dojo standen. Bei diesen handelte es sich um hohen Besuch unter anderem aus Estland.

Der Grund, wieso eine Gruppe estnischer Referenten und Funktionäre in Maintal in der Sporthalle auf dem Gelände der Werner-von-Siemens-Schule auftauchten, bedarf etwas Hintergrunderklärungen. Das Bundeskanzleramt in Berlin unterstützt diverse Integrationsprojekte. Im Zuge dieser Arbeit kooperiert das Kanzleramt auch mit den Innenministerien. Diese finanzieren in den einzelnen Ländern die Integrationsprojekte. Eines von ihnen ist das Programm „Integration durch Sport“ von der Sportjugend Hessen (SJH), an dem der Sport-Club Budokan Maintal seit nunmehr zehn Jahren teilnimmt. Im Zuge eines Austauschs von Erfahrungen und Wissen zum Thema „Sport und Integration“, der von der Europäischen Kommission und des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) angeregt wurde, kam der Maintaler Verein ins Spiel.

Die Delegation, die auch den Deutschen Fußballbund (DFB) und die Deutsche Sportjugend besucht hatte, wollte noch ein anderes Referenzprojekt für gelungene Integration sehen, weshalb die SH den Budokan vorschlug.

Ervin Susnik, Vorstandsvorsitzender des SC Budokan, war sehr stolz über den hohen Besuch „Wir versuchen hier Integration zu leben. Das geht nicht, wenn man die Leute von Beginn an separiert“, erklärt Susnik, der Integrationsbeauftragter für den Sportkreis Main-Kinzig ist, „Integration klappt nur, wenn man alle Nationen zusammenbringt. Ohne Vorurteile.“ Nur so sei es möglich die zwölf bis dreizehn Nationen, die in den einzelnen Gruppen vertreten sind, unter einen Hut zu bekommen.

„Die Probleme, die hier auftreten sind oft manche kulturellen Hintergründe“, gibt Susnik zu, „viele müssen sich erst daran gewöhnen, dass wir hier bewusst gemischte Gruppen aus Jungen und Mädchen haben.“ Auch die Sprache sei zu Beginn oft ein Hindernis. Trotzdem lege man großen Wert darauf, dass deutsch gesprochen würde. „Für Integration ist es wichtig die Sprache des Landes zu lernen, in dem man lebt“, fasst der Vorstandsvorsitzende zusammen.

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Doch nicht nur in diesem Punkt sei der Verein prädestiniert als Referenzprojekt, meint Frank Eser, Programmleiter von „Integration durch Sport“ bei der SJH. „Wir haben damals nach Vereinen gesucht, die sich verstärkt für Integration einsetzen wollen“, erinnert er sich, „da kam der SC Budokan auf uns zu. Und da entsprach fast alles unseren Vorstellungen. Man musste quasi nur an ein paar Schräubchen drehen.“ Seither arbeiten die SJH und der Verein jährlich eine neue Zielvereinbarung aus, in der Schwerpunkte für die Arbeit im kommenden Jahr fixiert werden. In diesem Jahr legte man den Fokus auf die Ausbildung von Migranten zu Übungsleitern.

„Auch hier ist der Budokan beispielhaft“, so Eser. Von den 573 Vereinen im Sportkreis Main-Kinzig haben 19 Migranten eine Ausbildung zum Übungsleiter begonnen. 14 von ihnen stehen kurz vor dem Abschluss dieser Schulung, wobei zwölf Personen allein vom Budokan gestellt werden.

„Budokan ist meines Wissens auch der einzige Verein in Deutschland, der ein Flüchtlingswohnheim gebaut hat“, sagt Susnik. In Kombination mit dem für alle zugänglichen Mittagsangeboten führe dies zu einer engen Bindung der Geflüchteten zu dem Verein. „Man merkt einfach, dass die Leute dann etwas zurückgeben wollen.“

Neben dem Flüchtlingsheim und dem Dojo unterhält der Verein auch noch eine Betreuung im Brüder-Schönefeld-Haus, welches sich ebenfalls auf dem Geländer der Werner-von-Siemens-Schule befindet. So wird die Bindung der Kinder untereinander und zum Verein noch viel mehr gestärkt.

Interessiert lauschte die Delegation, die aus Mitgliedern des estnischen Kulturministeriums der Abteilungen Integration und Sport, einem Vertreter des estnischen Fußball Bundes, einem estnischen Sportaktivisten sowie einer Vertreterin des estnischen olympischen Komitees bestand. Begleitet wurden die Esten von Vincent Catot, einem Mitglied der europäischen Kommission, Eylem Akyildiz, Referentin des H I 2 für Rechtsangelegenheiten und Maßnahmen der Integration und Marius Dietrich vom Referat Gesellschaftliche Integration. Vor allem die oben geschilderten Schwierigkeiten standen im Fokus der Fragen, mit denen der Vorstandsvorsitzende gelöchert wurde.

Alles in allem blieb ein sehr guter Eindruck und die Delegationen, sowohl aus Estland als aus Berlin, zeigten sich begeistert von der Arbeit des Maintaler Vereins. Zum Abschied bekamen sowohl Eser als aus Susnik estnische Gastgeschenke überreicht mit dem Wunsch, dass man sich bald in Estland wiedersehe.

Bevor Eser nach Estland reisen kann, muss er jedoch erst einmal nach Brüssel. Dort nimmt er an der Preisverleihung des „BeInclusive-Awards“ der Europäischen Union teil, bei der das Projekt „Sport und Flüchtlinge ausgezeichnet wird. Bei dieser Initiative, die das Land Hessen finanziell unterstützt, wirkt auch der Maintaler SC Budokan mit. Welchen Preis die Initiative genau erhält, erfährt man am 27. November.

Bildunterschriften

  1. Frank Eser, Referent für Integration bei der SJH und Programmleiter für „Integration durch Sport“
  2. Vereinsmanagerin Olga Bagci und Vorstandsvorsitzende Ervin Susnik halten das Training für die Kinder ab.
  3. Die Delegation beobachtet interessiert das Training.
  4. Marius Dietrich im Gespräch mit Ervin Susnik
  5. Vincent Catot, Artjom Tepljuk und Marius Dietrich lauschen gebannt.
  6. Eylem Akyildiz, Vincent Catot und Artjom Tepljuk
  7. Ervin Susnik antwortet auf die Fragen der Delegation
  8. Kaarel Nestor [Mitarbeiter für die Abteilung Sport im Ministerium für Kultur] und Nataljia Inno [Estnisches Olympisches Komitee]
  9. Kaarel Nestor, Nataljia Inno und Eylem Akyildiz
  10. Eylem Akyildiz, Vincent Catot, Artjom Tepljuk und Marius Dietrich
  11. Kaarel Nestor [Mitarbeiter für die Abteilung Sport im Ministerium für Kultur] und Nataljia Inno [Estnisches Olympisches Komitee]
  12. Tarvi Pürn [Vizekanzler für Sport im Ministerium für Kultur] und Frank Eser
  13. Artjom Tepljuk und Vladimir Vsivtsek
  14. Marius Dietrich, Artjom Tepljuk und Frank Eser
  15. Vladimir Vsivtsek und Vincent Catot
  16. Ervin Susnik und Ardijana Ramic
  17. Piret Hartmann [Ministerium für Kultur] überreicht Ervin Susnik ein Gastgeschenk
  18. Artjom Tepljuk überreicht Frank Eser ein Gastgeschenk
  19. (von links) Vincent Catot [Mitglied der Europäischen Kommission], Tarvi Pürn [Vizekanzler für Sport im Ministerium für Kultur], Eylem Akyildiz [Referentin des H I 2 für Rechtsangelegenheiten und Maßnahmen der Integration], Kaarel Nestor [Mitarbeiter für die Abteilung Sport im Ministerium für Kultur], Nataljia Inno [Estnisches Olympisches Komitee], Martti Pukk [Estnischer Fußball-Verband], Piret Hartmann [Ministerium für Kultur], Marius Dietrich [Referat Gesellschaftliche Integration], Frank Eser [Referent für Integration bei der SJH und Programmleiter für „Integration durch Sport“], Olga Bagci [Vereinsmanagerin SC Budokan Maintal], Ardijana Ramic [Vereinsmanagerin und Mitgliederverwaltung des SC Budokan], Ervin Susnik [Vereinsvorsitzender SC Budokan Maintal], Artjom Tepljuk [Referent für Integration und ethnische Minderheiten im Ministerium für Kultur] und Vladimir Vsivtsek [Sportaktivist]
  20. (von links) Vincent Catot [Mitglied der Europäischen Kommission], Tarvi Pürn [Vizekanzler für Sport im Ministerium für Kultur], Eylem Akyildiz [Referentin des H I 2 für Rechtsangelegenheiten und Maßnahmen der Integration], Kaarel Nestor [Mitarbeiter für die Abteilung Sport im Ministerium für Kultur], Nataljia Inno [Estnisches Olympisches Komitee], Martti Pukk [Estnischer Fußball-Verband], Piret Hartmann [Ministerium für Kultur], Marius Dietrich [Referat Gesellschaftliche Integration], Frank Eser [Referent für Integration bei der SJH und Programmleiter für „Integration durch Sport“], Olga Bagci [Vereinsmanagerin SC Budokan Maintal], Ardijana Ramic [Vereinsmanagerin und Mitgliederverwaltung des SC Budokan], Ervin Susnik [Vereinsvorsitzender SC Budokan Maintal], Artjom Tepljuk [Referent für Integration und ethnische Minderheiten im Ministerium für Kultur] und Vladimir Vsivtsek [Sportaktivist]

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